Der Ur-Grossvater baute Motorräder, der Grossvater baute Motorräder, der Vater baute Motorräder, der Sohn konnte es auch nicht lassen…..
Simon Goodman’s Grossvater hatte die Firma Velocette gegründet, wobei bereits der Ur-Grossvater John Goodman (deutschstämmig, eigentlich Johannes Gütgemann) bereits 1904 unter dem Namen Veloce Motorräder anbot. Simon’s Vater leitete die Firma bis zum Ende der Produktion 1968. Simon studierte Maschinenbau und war Werksleiter bei BSA bis er seine eigene Firma gründete.
Bei der HDS 1200 kombinierte er Nachbauten des Norton-Featherbed-Rahmens (die er auch vertrieb), den Harley Davidson 1200er Evo-Sportster-Motor und feinste italienische Komponenten (Brembo, Marzocchi,…) zu einem edlen Cafe-Racer. Der Rahmen musste wegen den massiven Vibrationen verstärkt und die Rahmenrohre geweitet werden,da der breite Sportster-Motor mit dem ausladenden Primärantrieb nicht reinpasste. Als Material wurde das berühmte Reynolds 531 verwendet und der Rahmen natürlich komplett von Hand geschweisst. Tank und Sitzbank wurden von einem Zulieferer gefertigt, die Sitzbank wurde mit original Connolly-Rindsleder bezogen. Die Technomagnesio-Felgen wurde exklusiv für Goodman gefertigt. Die Marzocchi M1R Gabel mit einstellbarer Druck- und Zug-Stufe gehörte ebenso wie die Vierkolben-Brembo-Bremsanlage mit schwimmend gelagerten Scheiben zum Feinsten, was man zu dieser Zeit bekommen konnte und wurden auch bei vielen deutlich leistungsfähigeren Motorrädern dieser Ära verbaut. Die meisten Gussteile, Motorhalterungen, Gabelbrücken wurden bei Goodman in Eigenregie gefertigt. Auch die „Metalastik“-Stahl-/Gummielemente, die das Triebwerk schwingungstechnisch vom Rahmen abkoppeln, wurden in Evesham produziert. Selbst die Auspuffanlage wurde dort gebogen und von Hand gedengelt. Instrumente und Teile des Kabelbaums kamen von Harley Davidson, Blinker, Lampenteile, Schaltereinheiten von Standardzulieferern der japanischen, italienischen und deutschen Motorradhersteller. (Quelle: Das Motorrad, Ausgabe 7/1993)
Der Plan war bis zu 100 Motorräder pro Jahr zu fertigen, leider war nach 20 Motorrädern Schluss. Bezüglich dieser Zahl gibt es verschiedene Versionen: Simon Goodman hat sie mir bestätigt, obwohl andere von insgesamt 14-17 Motorrädern ausgehen. Nach Goodman’s Aussage wurden 14 Motorräder in Evesham, Grossbritannien gefertigt und 6 Kits in die USA nach Tulsa, Oklahoma zu Goodman Motorcycles, Ltd. (eine Gesellschaft, die extra für den amerikanischen Vertrieb gegründet wurde) ausgeliefert. Die Kits wurden erst dort mit regional erworbenen Sportster-Motoren komplettiert.
Diese Goodman stammt aus erster Hand und war immer in Deutschland, der Erstbesitzer hat sie 1994 bei Simon Goodman bestellt. Danach fing eine über einjährige Odyssee durch die manchmal unergründlichen Tunnel der Strassenzulassung an…. Da das Fahrzeug keinerlei Typgenehmigungen, Gutachten oder sonstige Fertigungsunterlagen hatte, musste ALLES geprüft werden. Die Technomagnesio-Felgen wurden nicht mal geprüft sondern diskussionslos abgelehnt. Also wurden kurzerhand Speichenfelgen von Akront einzelangefertigt. Die Auspuffanlage war so laut, dass es auch da keine weiteren Diskussionen gab. Hier kam nun eine angepasste Supertrapp zum Einsatz.
Bei Probefahrten mit der originalen Auspuffanlage, kam es zu einer Überhitzung des hinteren Zylinders, welche einen Motorschaden als Folge hatte. Den Ausbau des defekten Motors hatte der örtliche HD-Händler abgelehnt, so dass das komplette Motorrad diesbezüglich nur für den Aus-, und nach der Instandsetzung in Deutschland, wieder für den Einbau zu Goodman nach England musste.
Die hintere Bremse zeigte bei den TÜV-Prüfungen nur mangelhafte bis gar keine Bremswirkung, so dass auch diese umgebaut werden musste. Die Prüfung durch den TÜV-Rheinland hat dann mehrere Monate gedauert, da unter anderem auch Rahmendehnungsprüfungen und Konstruktionsnachweise eingefordert wurden.


Summa Summarum hat es einige Zeit, Nerven, Arbeit UND vor allen Dingen viel Geld (am Ende standen weit über 40.000,– DM auf dem Tacho!) gekostet, dieses Schmuckstück auf die Strasse zu bringen.
Ich weiss heute noch von mindestens zwei existierenden Goodmans in den USA, eine in Grossbrittannien, eine in Japan, eine in Australien (nicht komplett) und meine in Deutschland. Wo die anderen abgeblieben sind, ist nicht bekannt.
Auch wenn es nicht unbedingt so aussieht – Das Teil fährt sich richtig gut!







